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Kleider Markt

Die Zeit vergeht im Sause Schritt. Nachdem ich keine handarbeits-interessierten Begleiter gefunden habe, hab ich mich getraut und bin einfach mal alleine zum Markt zu fahren. Das hat sich schon nach Abenteuer angefühlt. Im  klapprigen Taxi quer durch die Stadt, überall dichter Verkehr, sehr viel Schmutz, Baustellen, Menschen, die einfach so am Straßenrand liegen und dann wieder schicke Häuser mit Grünanlagen. Irgendwann dann die Frage: "Here, mother?" so genau wußte ich das auch nicht, also einfach mal raus aus dem Taxi und hinein ins Getümmel. Am Straßenrand reiht sich eine Stand an den anderen, alle mit den traditionell bestickten weißen Baumwollkleidern und Schals für den Kirchenbesuch. Außerdem gibt es noch Bettüberwürfe, Tischwäsche und natürlich Kaffee, Obst, Gemüse. Die Geräuschkulisse: Autos, Kleinbusse mit ihren marktschreierischen Angeboten, spielende Kinder, Generatoren....verglichen mit anderen Ländern erstaunlich wenig aufdringliche Händler, was sehr angenehm war. Ich bin also eine Weile umhergeschlendert hab einen Schal zum ecoprinten gekauft und einen Stand mit Körben und Hornschmuck entdeckt. Der Markt scheint sehr groß zu sein und ehrlich gesagt hab ich mich nicht sehr weit getraut. Zum einen gab es sehr viele versteckte Ecken und zum anderen hab ich befürchtet die Orientierung zu verlieren. 

Kunsthandwerkermarkt in Addis Abeba

Physisch bin ich gut in Addis Abeba angekommen. Der Rest ist noch irgendwo im interkulturellen Raum unterwegs. Nach und nach lerne ich hier von A nach B zu kommen was nicht so einfach ist wie in anderen Ländern. Es gibt keine richtigen Adressen die man einem Taxifahrer einfach unter die Nase halten kann, Wegbeschreibungen sind kompliziert, weil ich mich noch gar nicht auskenne und nicht jeder gut genug Englisch spricht. Dann muss man auf der Basis auch noch den Preis aushandeln.....

Wird schon werden. Ich werde mich zu einem weiteren Sprachkurs in Amharisch anmelden, um die Sprachbarriere zu minimieren. Außerdem ist das eine super Möglichkeit Kontakte zu knüpfen.

Letzten Samstag hatte ich das Glück, daß schon so kurz nach meiner Ankunft hier, der zweimal jährlich stattfindende Kunsthandwerker Markt war und ich rechtzeitig davon erfahren habe. Da hab ich mich doch gleich ins Getümmel gestürzt und Infos eingeholt. Wie es aussieht gibt es die bunten Stoffe die man mit Afrika verbindet in Äthiopien nicht, aber es gibt handgewebte Baumwolle in schöner Qualität und Struktur, gut, daß ich kurz vor meiner Abreise noch an einem ECO-Print Workshop teilgenommen habe. Exotische Pflanzen gibt es ja genug und ich kann, wenn ich erst mal in unserem Haus wohne munter drauf los experimentieren.

Ansonsten hat mir das Angebot auf dem Basar sehr gut gefallen: Schmuck, Körbe, Gemälde, Kleidung, Töpferwaren, sogar kleine Möbel. Dazu haben die Mitglieder des Golfclubs internationales Essen angeboten. Wir haben also ein Bratwürstchen gegessen, Kontakte geknüpft und ganz vergessen, daß wir in Afrika sind. Kurz vorm fast täglichen Wolkenbruch sind wir wieder nach Hause gestaut.

ToDo

Die Ausreise rückt näher. Der Flug ist gebucht, die Medizinischen Vorbereitungen laufen, Impfungen sind abgeschlossen. Die Zahn-OP (vor der ich die größte Angst hatte) liegt hinter mir, jetzt geht es langsam dran meine Nähmaschinen und das Zubehör einzupacken.

Nun stehen wichtige Entscheidungen an: Was nehme ich mit und wie viel davon. Da ich keine Ahnung habe was ich vor Ort kaufen kann, ist das eine schwierige Aufgabe. Nebenbei ist auch noch  Papierkram zu erledigen: Visumantrag, Versicherungen, Steuererklärung etc. Langweilig wird mir jedenfalls nicht  

Mein Abenteuer

Zur Zeit bereite ich mich auf mein großes Abenteuer vor. Ich gehe mit meinem Mann für ca. 3 Jahre nach Äthiopien. Er hat eine Stelle bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Dürre-Resilienzprogramm angenommen und ich bin dann eine sogenannte MAPÄT.

Das steht für mitausreisende Partner Äthiopien und bedeutet, dass ich sehr viel Zeit für meine Nähprojekte haben werde. Ganz besonders spannend finde ich die Aussicht, in Afrika die textilen Ressourcen zu entdecken und in meine Projekte einfließen zu lassen.

Ladenprojekt Wunjo

Adresse: Lange Straße 56, Baden-Baden

Öffnungszeiten:
MO-FR 10:00-12.30; 14:00-18:00
SA 10.00-14:00

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Über mich

Portrait Susanne Maurer

Geboren wurde ich in eine richtige Schneiderfamilie. Bei uns zu Hause haben alle ihre Kleider selbst genäht. Mein Opa war Herrenschneidermeister und ich profitiere bis heute von den Erbstücken. Da der Umgang mit Textilien für mich so selbstverständlich und normal war, sah ich keine Veranlassung, beruflich in die gleiche Richtung zu gehen, und habe zunächst etwas ganz anderes gelernt. Handarbeiten jeglicher Art waren aber immer meine Leidenschaft.

2008 habe ich zum ersten Mal von diesem Wundervlies gehört, das sich durch Waschen auflöst, und was man damit machen kann. Experimentierfreudig wie ich war (und bin), habe ich einfach drauflos genäht. Seit 2009 gebe ich Kurse an der VHS Landkreis Karlsruhe in Crazy-Wool-Technik und nehme 2-3 mal im Jahr an Kunsthandwerkermärkten teil. So wurde ein zweites berufliches Standbein daraus und wer weiß, was die Zukunft bringt?

Susanne Maurer